Wein einfach erklärt

Unfiltrierter Wein, was Filtration wirklich bedeutet

Unfiltrierter Wein, was Filtration wirklich bedeutet

Ein Glas Wein schimmert leicht trüb im Licht, fast wie ein flüchtiger Nebel im Kelch. Am Boden der Flasche liegt ein feiner Schleier, ein stiller Hinweis auf das, was in ihr steckt. Für manche wirkt das wie ein Warnsignal. Für andere ist genau das der Grund, warum sie diesen Wein überhaupt gekauft haben.

Und dann gibt es noch die stille Überraschung: unfiltrierte Weine, die glasklar und makellos im Glas stehen, ganz ohne jede Trübung, kaum zu unterscheiden von ihren filtrierten Verwandten. Der Hinweis „unfiltriert" taucht auf immer mehr Etiketten auf und sorgt für Diskussionen wie kaum ein anderer Begriff in der Weinwelt.

Wein filtrieren, was steckt dahinter

Nach der Gärung steckt der Wein voller mikroskopisch kleiner Schwebstoffe. Dazu zählen abgestorbene Hefezellen, Traubenpartikel, Eiweißreste und Weinstein. Geschmacklich sind diese Trubstoffe unbedenklich. Sie trüben aber die Optik des Weins. Deshalb filtern die meisten Winzerinnen und Winzer ihren Wein vor der Abfüllung. So entstehen eine klare Optik und eine stabile Haltbarkeit. Gängige Verfahren sind die Kieselgurfiltration, die Membranfiltration und die Sterilfiltration. Letztere hält sogar kleinste Mikroorganismen zurück.

Unfiltrierter Wein durchläuft diesen Schritt nicht oder nur teilweise. Er wird so abgefüllt, wie er nach der Reifung im Fass oder Tank vorliegt. Feine Trubpartikel bleiben enthalten. Mit der Zeit setzen sie sich als leichtes Depot am Flaschenboden ab.

Warum verzichten Winzer bewusst auf Filtration

Der Verzicht auf Filtration ist kein Zeichen von Nachlässigkeit. Er ist häufig eine bewusste stilistische Entscheidung, besonders in der Naturwein und Bio Szene. Die Trubstoffe verleihen dem Wein zusätzliches Volumen. Sie sorgen für eine cremigere Struktur am Gaumen. Eine Filtration kann außerdem feine Aromastoffe und Farbpigmente mit herausfiltern. Der Wein wirkt dadurch geschmacklich neutraler. Viele Winzer sehen im Verzicht auf Filtration deshalb einen Ausdruck von Authentizität. Möglichst wenig soll in den natürlichen Prozess eingegriffen werden.

Nachteile und Herausforderungen

Ganz ohne Kompromisse ist der Verzicht auf Filtration nicht. Unfiltrierter Wein kann trüb wirken oder ein sichtbares Depot bilden. Für manche Konsumenten ist das zunächst ungewohnt. Ohne Filtration bleiben zudem mehr Mikroorganismen im Wein zurück. Das erhöht das Risiko einer ungewollten Nachgärung oder von Fehltönen. Bei längerer Lagerung setzt sich außerdem ein feiner Bodensatz ab. Vor dem Genuss sollte man ihn idealerweise dekantieren.

Ist unfiltrierter Wein schlecht oder ungesund

Die Trübung hat keinerlei gesundheitliche Relevanz. Die enthaltenen Trubstoffe sind natürliche Bestandteile des Weins. Sie sind vollkommen unbedenklich für den Konsum. Geschmacklich kann sich eine intensivere und variablere Charakteristik ergeben. Ob das ein Vorteil oder ein Störfaktor ist, hängt von der persönlichen Vorliebe ab.

zurück zum Magazin

Bild: ©