Olivenöl einfach erklärt

Die Qualitätsstufen von Olivenöl

Die Qualitätsstufen von Olivenöl

Olivenöl wirkt auf den ersten Blick relativ simpel. Eine Flasche, ein grünes Etikett, darauf gedruckt Begriffe wie „extra vergine“ oder „kaltgepresst“. Doch ähnlich wie bei Wein steckt dahinter ein System, das man kennen sollte, wenn man Qualität von Olivenölen richtig verstehen und einordnen will.

Wo Qualität bei Olivenöl beginnt

Die Einteilung von Olivenöl ist in der Europäischen Union klar geregelt. Sie basiert nicht auf Marketing, sondern auf chemischen Analysewerten und einer sensorischen Prüfung durch geschulte Verkoster.

Das klingt trocken, ist aber ein entscheidender Punkt. Denn Olivenöl ist ein Naturprodukt, das extrem empfindlich auf Verarbeitung, Lagerung und Zeit reagiert. Zwischen frisch gepresstem Öl und industriell behandeltem Produkt liegen qualitativ und sensorisch Welten. Obwohl beide Öle als „Olivenöl“ verkauft werden.

Die höchste Qualitätsstufe

Die höchste Qualitätsstufe bei Olivenölen wird als „nativ extra“, oft auch synonym als „extra vergine“ gekennzeichnet.  

Nativ bedeutet, dass das Öl naturbelassen ist. Die Oliven werden mechanisch verarbeitet und das produzierte Öl wird weder durch Chemikalien gereinigt (raffinieren) noch hohen Temperaturen ausgesetzt. Entscheidend für ein hochwertiges Endprodukt ist vielmehr die Geschwindigkeit.

Extra steht für die höchste Qualitätsstufe. Das Ölivenöl erfüllt die höchsten Qualitätsanforderungen an Geschmack und Zusammensetzung. Die Oliven werden nur im optimalen Reifezustand geerntet und innerhalb kürzester Zeit weiterverarbeitet. Denn je schneller und kühler die Oliven nach der Ernte verarbeitet werden, desto besser bleibt die Qualität erhalten.

Analytisch muss der Säuregehalt unter 0,8g pro 100g freier Fettsäuren liegen. Würde man beispielsweise überreife oder matschige Oliven verarbeiten, würde der Säuregehalt durch bereits beginnende Fermentation stark ansteigen. So wird analytisch garantiert, dass nur frische und optimal gereifte Oliven verarbeitet werden.

Natives Olivenöl

Eine Stufe darunter liegt „natives Olivenöl“. Auch hier erfolgt die Gewinnung mechanisch, und ohne chemische Behandlung. Der Unterschied liegt allerdings im Detail.
Native Olivenöle dürfen kleine sensorische Fehler haben. Manchmal wirkt das Öl etwas flach du es fehlt die Klarheit in der Frucht. Auch leichte Oxidationsnoten können vorkommen. Native Öle sind keine schlechten Öle im klassischen Sinn. Aber sie haben nicht mehr die Präzision und Frische, die ein Olivenöl nativ extra auszeichnet.

Lampantöl

Lampantöl ist zwar die Kategorie, die man im Alltag kaum offenkundig sieht, aber sie ist wichtig, um das System zu verstehen. Diese Öle werden meist aus Oliven produziert, die bereits vor einiger Zeit vom Baum gefallen sind und bereits angefault sind. Das Fruchtfleisch hat bereits den Prozess der Fermentation begonnen. Um Fehlaromen und Schadstoffe zu entfernen, wird das Öl chemisch behandelt und raffiniert.
Lampantöl ist ein fehlerhaftes Öl, das (eigentlich) nicht mehr zum Verzehr geeignet ist. Früher wurde Lampantöl tatsächlich als Brennstoff für Lampen verwendet, wodurch es seinen Namen erhielt. Heute geht Lampantöl in die Weiterverarbeitung, wo leider dem Konsumentenbetrug Tür und Tor geöffnet wird

Was man beim Kauf wirklich beachten sollte

Bei Olivenöl entscheidet die wahre Qualität im Detail. Ein erster Anhaltspunkt ist die Bezeichnung. „Natives Olivenöl extra“ ist die einzige Kategorie, die wirklich relevant ist.
Mindestens genauso wichtig ist die Frische. Olivenöl ist kein Lagerprodukt wie Wein, sondern verliert mit der Zeit an Spannung und Aromen. Ein Blick auf das Erntejahr oder das Abfülldatum hilft. Je frischer, desto besser.

Ein oft unterschätzter Punkt ist die Verpackung. Gutes Olivenöl steht nicht in klarem Glas. Licht ist einer der größten Feinde. Dunkle Flaschen oder Dosen schützen das Öl und sind ein klares Qualitätsmerkmal.

Auch die Herkunft sagt viel aus. Konkrete Angaben wie Region oder sogar Einzellage sind oft ein gutes Zeichen. Je genauer die Herkunft, desto eher steckt ein ernsthaft arbeitender Produzent dahinter.

Gutes Olivenöl ist aufwendig in der Herstellung. Die Ernte erfolgt meist per Hand oder mit viel Sorgfalt, die Verarbeitung muss schnell und sauber passieren, und die Ausbeute ist begrenzt. Ein sehr günstiges Olivenöl kann diesen Aufwand kaum abbilden. Das bedeutet nicht, dass teuer automatisch besser ist, aber ein gewisses Preisniveau ist meist ein realistischer Hinweis auf Qualität.

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