Eine der bedeutendsten Weinbauregionen Österreichs macht ernst. Das Kamptal hat als bisher erstes und einziges DAC-Gebiet des Landes regulatorisch beschlossen, ab dem Jahrgang 2025 nur mehr biologisch oder nach dem Gütesiegel Nachhaltig Austria zertifizierte Trauben für Kamptal DAC Wein zuzulassen. Kleinere Betriebe mit einer Jahresproduktion unter 5.000 Litern sind von dieser Regelung ausgenommen.
Was genau beschlossen wurde
Konventionell erzeugter Wein ohne Nachhaltigkeitszertifizierung kann im Kamptal ab dem Jahrgang 2025 nicht mehr als Kamptal DAC vermarktet werden, sondern nur noch als einfacher Qualitätswein oder Landwein ohne die geschützte Gebietsbezeichnung.
Die Regelung greift zweistufig, Betriebe können entweder eine EU-Bio-Zertifizierung vorweisen, mit strengeren Vorgaben zu Pflanzenschutz und Kellerpraxis, oder das österreichische Gütesiegel Nachhaltig Austria, das von unabhängigen Kontrollstellen wie LACON oder Austria Bio Garantie auditiert wird. Beide Wege qualifizieren gleichermaßen für den Kamptal DAC Status.
Was hinter Nachhaltig Austria steckt
Das Gütesiegel Nachhaltig Austria wurde 2015 vom österreichischen Weinbauverband gemeinsam mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern entwickelt. Betriebe bewerten dabei über ein Online-Tool rund 380 bis 400 Maßnahmen aus den Bereichen Ökologie, Ökonomie und Soziales, von Pflanzenschutz und Energieeinsatz bis zu fairer Entlohnung und Arbeitssicherheit. Erst nach vollständiger Eingabe und Erreichen der laufend verschärften Mindestziele erfolgt die Zertifizierung durch externe Kontrollstellen.
Aktuell sind bereits mehr als 700 österreichische Weinbaubetriebe mit rund 12.300 Hektar, das entspricht etwa 28 Prozent der gesamten heimischen Rebfläche, nach Nachhaltig Austria zertifiziert, ein Rekordwert. Rechnet man biologisch und biodynamisch bewirtschaftete Flächen hinzu, wird sogar rund 40 Prozent der österreichischen Weinbaufläche kontrolliert umweltbewusst bewirtschaftet.
Warum ausgerechnet das Kamptal vorangeht
Das Kamptal zählt mit Betrieben wie Bründlmayer zu den bekanntesten und angesehensten Weinbauregionen Österreichs, bekannt vor allem für Grüner Veltliner und Riesling von internationalem Format. Gerade renommierte Gebiete mit hoher Sichtbarkeit tragen eine gewisse Vorbildfunktion, eine Entscheidung dieser Tragweite aus dem Kamptal dürfte in der gesamten Branche deutlich mehr Gewicht haben als aus einem kleineren, weniger bekannten Weinbaugebiet. Die Entscheidung fügt sich zudem in einen langfristigen Trend, bereits heute ist Österreich beim biologischen Weinbau mit einem Anteil von 25 Prozent der Rebfläche weltweit die Nummer eins.
Was das für Konsumentinnen und Konsumenten bedeutet
Wer künftig eine Flasche mit der Bezeichnung Kamptal DAC im Regal findet, kann sich automatisch sicher sein, dass die Trauben nach strengeren ökologischen bzw. nachhaltigen Kriterien angebaut wurden. Theoretisch ohne dass ein zusätzliches Bio-Siegel auf der Flasche nötig wäre. Das schafft Transparenz, ohne dass Konsumentinnen und Konsumenten selbst nach einzelnen Zertifizierungen suchen müssen, die Gebietsbezeichnung allein wird zum verlässlichen Nachhaltigkeitsversprechen.
Ein Modell für andere Regionen
Ob andere DAC-Gebiete diesem Beispiel folgen werden, ist derzeit offen, die Kamptaler Entscheidung dürfte aber genau beobachtet werden. Ein Blick in die eigene Nachbarschaft zeigt aber, dass ein solcher Weg durchaus funktionieren kann.
Die Wachau ist bereits einen entscheidenden Schritt weiter. Dort beschloss der Gebietsschutzverband Vinea Wachau bereits 2021, sich als gesamte Region gemeinschaftlich nach Nachhaltig Austria zertifizieren zu lassen. Mit dem Jahrgang 2023 waren praktisch alle Weine der drei Kategorien Steinfeder, Federspiel und Smaragd entsprechend zertifiziert, aktuell liegt der Anteil zertifizierter Betriebe in der Wachau bei über 95 Prozent, der höchste Wert unter allen österreichischen Weinbaugebieten.
Das Kamptal selbst kommt laut offiziellen Zahlen der Österreich Wein Marketing derzeit auf einen Zertifizierungsgrad von über 45 Prozent und hat mit der neuen DAC-Regel nun den nächsten, verpflichtenden Schritt gesetzt, um der Wachau auf diesem Weg zu folgen.
Sollte sich das Modell bewähren, ist es gut vorstellbar, dass in den kommenden Jahren weitere Weinbauregionen Österreichs ähnliche Nachhaltigkeitskriterien in ihre DAC-Verordnungen aufnehmen, und Österreich seine Vorreiterrolle im nachhaltigen Weinbau damit weiter ausbaut.